Ratgeber · Photovoltaik

Warum Solarbetriebe ohne Google und Meta bald nicht mehr auskommen

Es gab eine Zeit, in der Solarbetriebe Aufträge nur annehmen mussten. Diese Zeit ist vorbei, gebaut wird aber weiter: 2025 gingen in Deutschland rund 863.000 Anlagen ans Netz. Was sich verändert hat, ist die Frage, wer davon etwas abbekommt.

Dieser Artikel sortiert, was nach dem Boom gilt: warum Empfehlungen allein nicht mehr tragen, weshalb gekaufte Anfragen die Marge auffressen und wie ein eigener Kanal aussieht. Die Zahlen darin haben Quellen.

von Marc Richter Lesezeit rund 8 Minuten
Ausgangslage

Der Boom ist vorbei, der Markt nicht

Ein paar Jahre lang musste man als Solarbetrieb kaum verkaufen. Die Nachfrage war größer als das, was sich abarbeiten ließ, und wer Kapazität hatte, hatte Aufträge. Diese Phase ist vorbei.

Das heißt nicht, dass der Markt weg ist. 2025 gingen in Deutschland rund 863.000 Photovoltaikanlagen mit zusammen 16,4 Gigawatt ans Netz. Verschoben hat sich, wo diese Leistung entsteht: 2024 wurde auf Dächern noch doppelt so viel Leistung installiert wie auf Freiflächen, 2025 lagen beide etwa gleichauf.1

Neu installierte Leistung, Anteil nach Anlagentyp 2024 Dach, doppelte Leistung Freifläche 2025 Dach Freifläche, etwa gleichauf Gesamtzubau 2025: 16,4 GW auf rund 863.000 Anlagen. Das Dachgeschäft ist nicht verschwunden, aber es wächst nicht mehr mit. Neu installierte Leistung, Anteil nach Anlagentyp 2024 Dach, doppelte Leistung Freifläche 2025 etwa gleichauf Dach Freifläche Gesamtzubau 2025: 16,4 GW auf rund 863.000 Anlagen. Das Dachgeschäft ist nicht verschwunden, aber es wächst nicht mehr mit.
Quelle: Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur, wiedergegeben von pv magazine, Januar 2026. Die Balken zeigen Verhältnisse, keine Absolutwerte.

Für einen Betrieb, der Dachanlagen baut, ist das die entscheidende Zahl. Das Freiflächengeschäft wächst, aber es wird von anderen gemacht. Im Dachsegment verteilt sich eine Menge, die nicht mehr mitwächst, auf Betriebe, die in den Boomjahren zahlreicher geworden sind.

Was daraus folgt

Bleibt die Nachfrage gleich und gibt es mehr Anbieter, bekommt den Auftrag, wer im Moment der Entscheidung sichtbar ist. Freie Kapazität allein reicht dann nicht mehr.

Bereinigung

Die erste Welle ist schon durch

Dass der Markt sich sortiert, ist keine Prognose mehr. Der bekannteste Fall ist Meyer Burger: Die deutschen Töchter des Solarherstellers meldeten Ende Mai 2025 Insolvenz beim Amtsgericht Chemnitz an, zum 1. September wurde der Betrieb an den Standorten eingestellt. Rund 600 Beschäftigte verloren ihre Arbeit.2

Meyer Burger war ein Hersteller, kein Installateur. Der Mechanismus ist aber derselbe, und er trifft Betriebe jeder Größe: Wer im Boom über den Preis gewachsen ist und keine Struktur aufgebaut hat, die auch bei normaler Nachfrage trägt, hat wenig, worauf er zurückfallen kann.

Was Kunden inzwischen anders machen

Nach den ersten Jahren mit Anlagen im Feld gibt es etwas, das es vorher nicht gab: Erfahrungen. Mit Montagen, die nicht sauber waren. Mit Betrieben, die beim Problem nicht mehr ans Telefon gingen. Mit Firmen, die es beim Garantiefall schon nicht mehr gab.

Das hat den Blick der Interessenten verändert. Der günstigste Preis ist nicht mehr automatisch das beste Angebot, weil inzwischen jeder jemanden kennt, bei dem billig teuer geworden ist. Wer Service liefert, erreichbar bleibt und ordentlich montiert, hat plötzlich ein Argument, das sich verkaufen lässt. Wer das nicht tut, sammelt Bewertungen, die er nicht mehr los wird.

Der Haken daran

Guter Service hilft nur, wenn jemand davon erfährt. Ein Betrieb mit vierzig zufriedenen Kunden und ohne Sichtbarkeit verliert die Anfrage an den, der zwar schlechter arbeitet, aber gefunden wird.

Der Engpass

Warum Empfehlungen irgendwann nicht mehr reichen

Empfehlungen sind der beste Kanal, den es gibt. Sie kosten nichts, sie kommen vorqualifiziert, und der Interessent vertraut dir schon, bevor ihr gesprochen habt. Sie haben nur eine Eigenschaft, die im engeren Markt zum Problem wird: Man kann sie nicht aufdrehen.

In einem Monat mit zu wenig Zulauf lässt sich nichts nachlegen. Genau dann greifen viele Betriebe zum naheliegenden Mittel und kaufen Anfragen ein.

Die Rechnung beim Lead-Händler

Das Geschäftsmodell der meisten Portale ist der Mehrfachverkauf: Derselbe Kontakt geht an vier bis fünf Betriebe. Der Interessent bekommt also mehrere Angebote, ohne dass er danach gefragt hat, und vergleicht das Einzige, was sich zwischen fünf Unbekannten leicht vergleichen lässt.

1 Anfrage Betrieb 1Preis ↓Betrieb 2Preis ↓Betrieb 3Preis ↓Betrieb 4Preis ↓Betrieb 5Preis ↓ Alle fünf bekommen denselben Kontakt. Gewonnen hat, wer am schnellsten anruft und am tiefsten geht. Bezahlt wird das aus der eigenen Marge. 1 Anfrage Betrieb 1Preis ↓ Betrieb 2Preis ↓ Betrieb 3Preis ↓ Betrieb 4Preis ↓ Betrieb 5Preis ↓ Alle fünf bekommen denselben Kontakt. Gewonnen hat, wer am schnellsten anruft und am tiefsten geht. Bezahlt wird das aus der eigenen Marge.
Schematische Darstellung des Mehrfachverkaufs, wie ihn Lead-Portale üblicherweise anbieten. Keine Erhebung, sondern die Beschreibung eines Geschäftsmodells.

Wer billig kauft, kauft zweimal: hier gilt das für beide Seiten. Für den Kunden, der beim günstigsten Anbieter landet, und für den Betrieb, der den Auftrag über den Preis geholt hat. Zuerst geht die Marge. Und wenn die weg ist, wird an der Ausführung gespart, mit genau den Folgen, die oben stehen.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, der oft übersehen wird: Ein gekaufter Lead gehört dir nicht. Wenn das Portal die Preise erhöht oder den Hahn zudreht, hast du nichts aufgebaut, worauf du zurückgreifen kannst.

Kanal 1

Meta Ads: Bedarf wecken, bevor gesucht wird

Die meisten Eigentümer wachen nicht morgens mit dem Wunsch nach einer Photovoltaikanlage auf. Sie ärgern sich über die Abrechnung, denken kurz darüber nach und machen weiter. Genau diese Leute erreichst du über Facebook und Instagram, weil sie dort sind, ohne zu suchen.

Auf diesem Kanal funktionieren Hochglanzaufnahmen fremder Anlagen schlechter als die Dinge, die ein Interessent sonst nirgends sieht:

  • Eure eigenen Montagen, fotografiert auf echten Dächern in der Region.
  • Was eine Anlage in eurem Einzugsgebiet ungefähr einbringt, an einem konkreten Beispiel.
  • Welche Förderung gerade gilt und bis wann.
  • Die Menschen, die am Ende auf dem Dach stehen.

Der Vorteil gegenüber gekauften Anfragen: Wer sich daraufhin meldet, meldet sich bei euch. Er vergleicht nicht fünf Angebote, weil er nur eines angefordert hat. Wie so ein Ablauf technisch aussieht, steht unter Meta Ads und Landingpage und Funnel.

Kanal 2

Google Ads: die Nachfrage abgreifen, die schon da ist

Der zweite Kanal ist der unkompliziertere, weil die Absicht schon vorhanden ist. Wer „Photovoltaik" und den eigenen Ort in die Suche tippt, hat den Entschluss im Kopf und sucht nur noch den Betrieb dazu. Über Suchanzeigen stehst du in diesem Moment oben, auch ohne dass deine Seite organisch auf Platz eins rankt.

Bezahlt wird dabei pro Klick, nicht pro Einblendung. Deine Anzeige kann also oft erscheinen, ohne dass etwas abgerechnet wird. Wer nicht klickt, hat den Namen trotzdem gesehen.

Einblendungen: dein Name steht da, kostenlos Klicks nur hierfür zahlst du Das Verhältnis ist ein Beispiel, keine Zusage. Wie viele Einblendungen auf einen Klick kommen, hängt an Suchbegriff, Region und Wettbewerb. Einblendungen: dein Name steht da, kostenlos Klicks nur hierfür zahlst du Das Verhältnis ist ein Beispiel, keine Zusage. Wie viele Einblendungen auf einen Klick kommen, hängt an Suchbegriff, Region und Wettbewerb.
Abrechnungsprinzip der Google-Suchanzeigen: bezahlt wird pro Klick, nicht pro Einblendung.

Diesen Nebeneffekt sollte man weder überschätzen noch wegreden: Bekanntheit entsteht dabei nebenbei, sie ist nicht das Ziel. Das Ziel ist die Anfrage. Aber es ist ein spürbarer Unterschied zu einer Plakatwand, bei der du für die Fläche bezahlst und nie erfährst, wer hingesehen hat.

Was Sichtbarkeit heute entscheidet

Eine repräsentative Umfrage von GfK unter 1.001 Personen zwischen 18 und 74 Jahren ergab, dass 60,2 Prozent gezielt nach Online-Bewertungen suchen, bevor sie sich entscheiden, und 57,7 Prozent die Website des Anbieters besuchen. Direkt Kontakt aufgenommen haben vorab nur 12,7 Prozent, fünf Jahre zuvor waren es noch 34,5 Prozent.3

Einordnung dazu

Die Umfrage wurde von Greven Medien beauftragt, einem Anbieter für Online-Marketing. Ein Auftraggeber, der ein Interesse am Ergebnis hat, macht die Erhebung nicht falsch, aber man sollte es wissen. Die Zahlen stammen zudem aus dem April 2021.

Was auch mit diesem Vorbehalt trägt: Die Prüfung findet vor dem ersten Kontakt statt. Wer zu diesem Zeitpunkt nicht auffindbar ist oder nichts vorzuweisen hat, ist aus dem Rennen, bevor er von der Anfrage überhaupt erfährt. Mehr dazu unter Google Ads.

Abgrenzung

Für welche Betriebe sich das rechnet

Werbung verstärkt, was da ist. Bei einem Betrieb, der sauber arbeitet und schnell zurückruft, bringt sie Aufträge. Bei einem, der Anfragen liegen lässt, macht sie das Problem nur teurer sichtbar.

Passt

Die Grundlagen stehen
  • Ihr habt bereits einige gute Bewertungen vorzuweisen.
  • Es gibt jemanden, der Anfragen am selben Tag beantwortet.
  • Die Marge pro Anlage trägt Werbekosten plus Vergütung.
  • Ihr wollt planbar wachsen, nicht nur die Lücken füllen.

Passt noch nicht

Dann zuerst etwas anderes
  • Es gibt niemanden, der die Anfragen zeitnah bearbeitet.
  • Der Vertrieb besteht daraus, dass der Chef abends zurückruft.
  • Ihr wollt vor allem billiger sein als der Wettbewerb.
  • Offene Baustellen und Reklamationen stapeln sich.

Wenn eher die Punkte unter „Dann zuerst etwas anderes“ zutreffen, heißt das erst mal „noch nicht“. Beim Aufbau des Vertriebs unterstütze ich ebenso wie später bei der Suche nach passenden Mitarbeitern, wenn das Wachstum an der Kapazität hängt. Zuerst sollte aber der Kanal stehen, über den überhaupt planbar Anfragen hereinkommen.

Quellen

  1. Bundesnetzagentur, Auswertung des Marktstammdatenregisters, wiedergegeben in: pv magazine, 8. Januar 2026. Daraus: 16,4 GW Zubau, rund 863.000 Anlagen, Verhältnis Dach zu Freifläche 2024 und 2025.
  2. Zur Insolvenz der deutschen Meyer-Burger-Gesellschaften: Handelsblatt und taz, zur Betriebseinstellung zum 1. September 2025 basicthinking.
  3. GfK-Online-Umfrage im Auftrag von Greven Medien, April 2021, bundesweit repräsentativ, 1.001 Befragte zwischen 18 und 74 Jahren: Greven Medien.

Bewusst nicht verwendet: mehrfach zitierte Angaben zu einem Rückgang von 15 Prozent im ersten Halbjahr 2025 sowie zu 25 beziehungsweise 35 Prozent weniger Dachanlagen im Heimbereich. Diese Zahlen ließen sich nicht bis zu einer Primärquelle zurückverfolgen.

Häufige Fragen von Solarbetrieben

Lohnt sich Werbung, wenn der Markt gerade schrumpft?
Gerade dann, allerdings mit anderem Ziel als im Boom. Als die Nachfrage das Angebot überstieg, ging es darum, Aufträge abzuarbeiten. Jetzt geht es darum, die vorhandene Nachfrage zu sich zu lenken statt zum Wettbewerber. 2025 sind in Deutschland rund 863.000 Anlagen ans Netz gegangen. Es wird also weiter gebaut, nur verteilt sich das anders als vorher.
Was ist der Unterschied zwischen gekauften Leads und eigenen Anfragen?
Ein gekaufter Lead wird bei den meisten Portalen mehrfach verkauft, oft an vier bis fünf Betriebe gleichzeitig. Der Interessent bekommt also mehrere Angebote und vergleicht in erster Linie den Preis. Eine Anfrage über die eigene Anzeige und die eigene Seite kommt nur bei dir an. Der Unterschied zeigt sich am Ende in der Marge, nicht im Preis pro Kontakt.
Google oder Meta, was zuerst?
Bei knappem Budget zuerst eines von beiden, sonst bekommt keine der Plattformen genug Daten. Google passt, wenn Menschen bereits nach Photovoltaik suchen und du diese Nachfrage abgreifen willst. Meta passt, wenn du Bedarf erst wecken musst, etwa bei Eigentümern, die noch gar nicht über eine Anlage nachdenken. In den meisten Fällen ist Google der schnellere Einstieg, weil die Absicht schon da ist.
Wir bekommen genug über Empfehlungen. Warum sollten wir etwas ändern?
Weil Empfehlungen nicht steuerbar sind. Sie kommen, wenn sie kommen, und in einem Monat mit wenig Zulauf lässt sich nichts nachlegen. Solange der Kalender voll ist, ist das kein Problem. Es wird eines, sobald eine Lücke entsteht, denn ein Werbekanal braucht Vorlauf, bis er verlässlich liefert. Mit dem Aufbau fängt man deshalb besser an, bevor es eng wird.

Wie ich so einen Kanal für Solarbetriebe aufbaue, steht auf der Seite zur Neukundengewinnung für Solarbetriebe. Was er kostet, in Was kostet Google Ads wirklich? Ob du das selbst aufbaust oder abgibst, klärt Selbst schalten oder Agentur beauftragen?

Erst mal prüfen, ob Onlinewerbung zu dir passt Der kostenlose Werbe-Check stellt dir ein paar Fragen und sagt dir danach, ob Google oder Meta besser zu dir passt. Manchmal lautet die Antwort auch „noch nicht".
Der nächste Schritt

Schauen wir, ob das für euren Betrieb aufgeht.

Im kostenlosen Erstgespräch sehen wir uns Region, Marge und Wettbewerb an. Danach wisst ihr, ob sich ein eigener Anfragekanal für euch rechnet und mit welchem Kanal ihr anfangen solltet.

Bleiben Anfragen bei euch liegen, bringt mehr Reichweite nichts. Dann sage ich das, bevor Budget fließt.