Ratgeber · Vergütungsmodelle

Retainer oder erfolgsbasiert: was rechnet sich für wen?

Beide Modelle haben ihre Berechtigung, und beide können ein schlechtes Geschäft sein. Mit dem Preis hat der Unterschied wenig zu tun. Er hängt an einer einzigen Frage: Wer trägt das Risiko, wenn nichts passiert?

Dieser Artikel stellt beides nebeneinander, ohne das eine schlechtzureden. Ich arbeite selbst überwiegend erfolgsbasiert, deshalb sage ich gleich dazu, wann ein Retainer die bessere Wahl ist.

von Marc Richter Lesezeit rund 5 Minuten
Modell 1

Wofür du beim Retainer wirklich bezahlst

Beim Retainer zahlst du einen festen Monatsbetrag, unabhängig davon, was in diesem Monat herauskommt. Du kaufst Arbeitszeit und Verfügbarkeit, nicht Ergebnisse.

Das klingt erst mal nachteilig, hat aber echte Vorteile. Die Agentur kann in Monaten arbeiten, in denen nichts Zählbares entsteht, etwa beim Umbau der Website, bei Analysen oder in einer Saisonflaute. Sie muss nicht auf schnelle Zahlen optimieren, um bezahlt zu werden. Und für beide Seiten ist die Planung einfach.

Das Risiko liegt woanders: Du zahlst auch dann, wenn nichts passiert. Eine Agentur, die unabhängig vom Ergebnis bezahlt wird, hat keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Grund, deine Kosten pro Anfrage zu senken. Sie kann es tun, und viele tun es. Aber der Anreiz kommt nicht aus dem Vertrag.

Modell 2

Was die erfolgsabhängige Vergütung anders macht

Hier entsteht der größere Teil der Vergütung erst, wenn ein vorher definiertes Ergebnis eintritt. Die Interessen laufen damit in dieselbe Richtung: Wenn du keine Anfragen bekommst, verdient die Agentur wenig.

Der entscheidende Nebeneffekt wird oft übersehen. Eine erfolgsbasiert bezahlte Agentur optimiert auf das, was gemessen wird. Ist als Erfolg ein abgeschicktes Formular definiert, wird es viele Formulare geben. Ist ein vereinbarter Termin definiert, wird anders gearbeitet. Das Modell ist also nur so gut wie seine Definition, und die steht im Vertrag, nicht im Verkaufsgespräch.

Dazu kommt: Die Werbekosten trägst du in aller Regel weiterhin selbst, sie fließen direkt an Google oder Meta. Erfolgsbasiert heißt also nicht, dass bis zum Ergebnis alles kostenlos ist. An ein Ergebnis gekoppelt ist die Arbeit der Agentur. Was dabei sonst noch anfällt, steht unter Was kostet Google Ads wirklich?

Gegenüberstellung

Was zu welchem Unternehmen passt

Retainer passt

Planbarkeit vor Risikoverteilung
  • Du willst laufende Betreuung, nicht nur Anfragen.
  • Es steht viel Aufbauarbeit an, die erst später zählbar wird.
  • Dein Geschäft schwankt saisonal stark.
  • Mehrere Kanäle und Aufgaben laufen parallel, nicht alle messbar.
  • Du willst feste Kosten für die Jahresplanung.

Erfolgsbasiert passt

Ergebnis vor Planbarkeit
  • Du willst Anfragen, keine Reportings über Reichweite.
  • Deine Marge pro Kunde trägt Werbekosten plus Vergütung.
  • Dein Angebot ist klar und ändert sich nicht ständig.
  • Anfragen werden zeitnah bearbeitet.
  • Du willst das Risiko teilen statt es allein zu tragen.

Zur Einordnung: Ein Retainer ist nicht schlechter, er verteilt das Risiko nur anders. Wer eine langfristige Betreuung über viele Kanäle sucht, fährt damit oft besser. Wer vor allem planbare Anfragen will, ist mit dem erfolgsabhängigen Modell näher am eigenen Interesse.

Vor der Unterschrift

Fünf Fragen, die du in beiden Fällen stellst

Unabhängig vom Modell entscheidet sich an diesen Punkten, ob ein Vertrag fair ist:

  1. Was genau ist die Leistung pro Monat? Beim Retainer sollte das konkret benannt sein, sonst zahlst du für Anwesenheit.
  2. Was zählt als Ergebnis? Beim Erfolgsmodell ist das der Vertragsgegenstand. Klick, Formular, erreichte Person oder Termin sind vier verschiedene Dinge.
  3. Wem gehören Werbekonto, Landingpage und Daten? Nach Vertragsende sollte alles bei dir bleiben.
  4. Wie lang ist die Bindung? Kurze Erstlaufzeiten sind ein gutes Zeichen. Sie zeigen, dass jemand von der eigenen Arbeit ausgeht.
  5. Woran wird gemessen und wer hat Zugriff? Ohne eigenen Zugang zu den Zahlen bewertest du nur, was dir gezeigt wird.
Die aufschlussreichste Frage

Die Frage nach der Bindung sagt mehr über eine Agentur als jede Referenzliste. Wer eine lange Mindestlaufzeit braucht, um wirtschaftlich zu arbeiten, rechnet damit, dass Kunden sonst früher gehen würden.

Häufige Fragen zum Vergleich der Modelle

Ist erfolgsbasiert immer günstiger als ein Retainer?
Nein. Wenn die Kampagnen gut laufen, kann die erfolgsabhängige Vergütung in Summe über einem Retainer liegen, weil viele Ergebnisse entstehen. Unterschiedlich ist vor allem, wann gezahlt wird und wofür. Beim Retainer zahlst du für Arbeitszeit, im Erfolgsmodell für Ergebnisse. In einem schwachen Monat zahlst du im zweiten Fall weniger, in einem starken mehr.
Warum verlangen auch erfolgsbasierte Agenturen eine Setup-Gebühr?
Weil vor dem ersten Ergebnis echte Arbeit anfällt: Landingpage, Tracking, Kampagnenaufbau, Zielgruppen. Ohne eine Grundgebühr müsste die Agentur diesen Aufwand vollständig vorfinanzieren, und zwar bei jedem Kunden, auch bei denen, bei denen es am Ende nicht funktioniert. Eine kleine, vorher schriftlich festgelegte Setup-Gebühr ist die Voraussetzung dafür, dass das Modell überhaupt angeboten werden kann.
Was ist bei einem Retainer das größte Risiko?
Dass die Leistung nicht konkret genug beschrieben ist. Steht im Vertrag nur „laufende Betreuung“, zahlst du für Anwesenheit statt für Arbeit. Lass dir aufschreiben, was pro Monat tatsächlich passiert, und vereinbare, woran der Erfolg gemessen wird, auch wenn deine Zahlung nicht davon abhängt.

Wie erfolgsbasierte Vergütung im Detail funktioniert und woran man unseriöse Zusagen erkennt, steht unter Eine Agentur nur bei Erfolg bezahlen.

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Nächster Schritt

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Wenn ein Retainer bei einer anderen Agentur für dich die bessere Wahl ist, sage ich dir das. Ein Vertrag, der nicht passt, nützt keinem von uns.